Verrat im K-Block? – Dynamo-Fans drohen mit Boykott, weil der Verein die U23 ins Heinz-Steyer-Stadion zum Erzrivalen DSC schickt.

Verrat im K-Block? – Dynamo-Fans drohen mit Boykott, weil der Verein die U23 ins Heinz-Steyer-Stadion zum Erzrivalen DSC schickt.

Dresden – Für die treuen Anhänger im gelb-schwarzen K-Block gibt es Grenzen, die man nicht überschreiten sollte. Nun scheint der Verein im Begriff zu sein, genau diese Grenze zu überschreiten.

Ein bitterer Wind weht durch die Ränge des Rudolf-Harbig-Stadions. Während Dynamo Dresden in der 2. Bundesliga um den Klassenerhalt kämpft, braut sich abseits des Platzes ein ganz anderer Kampf zusammen – einer, der die Vereinsführung gegen die leidenschaftlichsten Anhänger stellt. Im Zentrum des Konflikts steht eine Entscheidung, die viele Fans nicht als Kompromiss, sondern als Kapitulation sehen: die geplante Verlegung der U23 ins Heinz-Steyer-Stadion, die Heimstätte des verhassten Lokalrivalen Dresdner SC (DSC).

Erste Signale aus der Fanszene deuten darauf hin, dass dieser Schritt die ultimative Protestform auslösen könnte – einen Boykott der Heimspiele.

„Dresden ist Dynamo“: Eine Rivalität, die einfach nicht enden will

Um die Empörung zu verstehen, muss man zunächst die Tiefe der Feindschaft begreifen. Diese Feindschaft schwelt seit über drei Jahrzehnten. Zwischen 1999 und 2002 war der Dresdner SC kurzzeitig die Nummer eins im Dresdner Fußball. Seitdem ging es mit dem Verein sportlich steil bergab – während Dynamo heute in der 2. Bundesliga spielt, dümpelt der DSC in der Landesliga herum.

Doch der Bedeutungsverlust im Wettbewerb hat den Hass nicht gemildert. Er ist vielmehr zu einem Identitätsmerkmal geworden.

Die letzten Monate haben reichlich Beweise für diese unverhohlene Feindschaft geliefert. Nach der feierlichen Wiedereröffnung des renovierten Heinz-Steyer-Stadions – ein Moment des Bürgerstolzes für Dresden – nutzten die Dynamo-Ultras den darauffolgenden Spieltag, um ihren Gefühlen unmissverständlich Ausdruck zu verleihen. Während des Spiels gegen den VfB Stuttgart II entrollte der K-Block ein Banner mit folgender Aufschrift:

„Auch ein neues Stadion ändert eure Rolle nicht. Man kann nicht sein, was man nicht ist. Dresden ist Dynamo – Clubschweine raus!“

Die Botschaft war unmissverständlich: Für die eingefleischten Fans ist der DSC nicht nur ein Konkurrent – ​​sie sind unberechtigte Anwärter auf den Fußballthron der Stadt. Sie in offiziellen Stadionchoreografien als „Clubschweine“ zu bezeichnen, unterstreicht eine Verachtung, die an Existenzialismus grenzt.

Die Ironie der Kooperation

Hier kollidiert der aktuelle Plan des Vereins heftig mit der Fankultur.

Trotz des offen zur Schau gestellten Hasses auf den Rängen könnte die institutionelle Beziehung zwischen Dynamo und DSC nicht pragmatischer sein. Seit Mai 2017 sind beide Vereine Partner im „Perspektivteam Dresdner Weg“, einem regionalen Netzwerk zur Talentförderung mit 25 Partnervereinen. Dmytro Bohdanov, ein 17-jähriges Nachwuchstalent von Dynamo, wurde direkt vom DSC gescoutet – ein lebendes Beispiel für eine Kooperation, die auf administrativer Ebene reibungslos funktioniert.

Für die Vereinsführung ist der Umzug der U23 ins Heinz-Steyer-Stadion vermutlich eine logische und kostengünstige Entscheidung. Für die Fans hingegen ist es ein Verrat an ihrer Vereinszugehörigkeit. Auf demselben Platz zu spielen, auf dem „der Feind“ nun seine Landesliga-Spiele austrägt, wird nicht als Koexistenz, sondern als Schändung empfunden.

Eine Geschichte, geschrieben in Scherben und Blut

Die Befürchtung, dass diese Entscheidung die Gewalt eskalieren lassen wird, ist nicht unbegründet. Die Fanszene hat ein langes – und gewalttätiges – Gedächtnis.

Knapp ein Jahr vor der Wiedereröffnung des Stadions drangen sechs junge Männer aus der Dynamo-Fanszene gewaltsam in einen Fanraum des DSC ein. Als zwei DSC-Anhänger sich weigerten, ihre Fanartikel herauszugeben, eskalierte die Situation zu einer körperlichen Auseinandersetzung. Die Rivalität beschäftigt regelmäßig Staatsanwaltschaft und Polizei. Sie ist roh, explosiv und hat wiederholt zu Straftaten geführt.

Kritiker innerhalb des Vereins zeigten sich verwundert über den anhaltenden Hass auf Bannern, doch der Verein selbst weigerte sich wiederholt, die Aktionen zu kommentieren oder zu verurteilen. Dieses Schweigen gab der Ultra-Szene freie Hand, die Außenpolitik des Vereins gegenüber dem DSC zu definieren.

Die Boykottdrohung

Nun wird diese Haltung infrage gestellt.

Quellen aus dem Fanumfeld deuten darauf hin, dass die Verlegung der U23-Mannschaft intern als Provokation aufgefasst wurde. Sollte die Dynamo-Führung bereit sein, sich ein Stadion mit dem „Erzfeind“ zu teilen, könnte der K-Block gezwungen sein, eine klare Trennlinie zu ziehen. Ein Boykott der Spiele der ersten Mannschaft wird als ultimative Sanktion diskutiert – der Verzicht auf Zuschauer, die damit verbundene Atmosphäre und die Einnahmeverluste sollen verdeutlichen, dass die Treue der Fans nicht selbstverständlich ist.

Es wäre eine drastische Eskalation. Im Januar 2026 organisierten Dynamo-Fans eine riesige Banneraktion in Sachsen und Südbrandenburg mit über 100 Bannern, um die Unterstützung für den Abstiegskampf ihres Vereins zu mobilisieren. Sie sind keine passiven Konsumenten; sie sind das Rückgrat des Vereins.

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