Die gesamte Borussia Dortmund-Gemeinschaft steht hinter Serhou Guirassy
DORTMUND – In einem eindrucksvollen Akt der Solidarität hat sich die gelb-schwarze Gemeinschaft zusammengefunden, um einen der wichtigsten Eckpfeiler des Vereins zu unterstützen. Serhou Guirassy, der Fels in der Brandung im Tor von Borussia Dortmund, der die Fans im Signal Iduna Park Woche für Woche mit seiner Leidenschaft begeistert, steht derzeit vor der größten Herausforderung seines Lebens – nicht auf dem Platz, sondern abseits davon.
Der Fußball erzählt uns oft Geschichten von Triumph, Ruhm und unbändiger Freude. Doch immer wieder zeigt das schöne Spiel auch seine andere Seite – die, die uns daran erinnert, dass Spieler in erster Linie Menschen und erst in zweiter Linie Athleten sind. Für Serhou Guirassy, der in den Worten von Niko Kovač zur „Lebensversicherung“ von Borussia Dortmund geworden ist, waren die letzten Wochen ein Zeugnis tiefen persönlichen Leids und der unglaublichen Stärke der Bindung, die er zum Verein und seinen Anhängern teilt.
Eine schmerzliche Szene, die ein ganzes Stadion bewegte
Das Champions-League-Playoff-Spiel gegen Atalanta Bergamo am 17. Februar 2026 begann für Borussia Dortmund wie ein Traum. Bereits nach drei Minuten traf Guirassy zum 2:0-Führungstreffer für die Bundesliga-Mannschaft, die schließlich gewonnen wurde. Doch was folgte, war nicht der gewohnte ausgelassene Torjubel, den die Fans von dem treffsicheren Stürmer kannten.
Stattdessen hob Guirassy sein Trikot und enthüllte eine französische Botschaft auf seinem Unterhemd. Unter Tränen und sichtlich bewegt präsentierte er die Worte den Zuschauern im Signal Iduna Park. Die Botschaft lautete, später übersetzt: „Möge er dich in sein weites Paradies aufnehmen. Amen.“ Darüber, neben einem Herz, stand der Name: Aissata Guirassy.
Nach dem Schlusspfiff erklärte ein sichtlich bewegter Guirassy die tragischen Umstände hinter seiner Geste. Seine Nichte war verstorben. Die Botschaft war seinem Bruder gewidmet, dessen Tochter gestorben war. „Es ist eine sehr schwere Zeit für die Familie“, sagte Guirassy sichtlich bewegt. „Aber das Leben geht weiter. Wir alle werden eines Tages sterben.“
Dortmunds Cheftrainer Niko Kovač gab später bekannt, dass er vor dem Spiel nichts von der Tragödie in Guirassys Familie gewusst hatte. Der Stürmer hatte sich entschieden zu spielen, sein Team anzuführen und eine Leistung auf höchstem Niveau abzuliefern – trotz des unvorstellbaren Verlustes.
Die Reaktion: Eine vereinte Gemeinschaft
Sollten Zweifel an der tiefen Verbundenheit zwischen Serhou Guirassy und Borussia Dortmund bestanden haben, so beseitigte der emotionale Abend diese endgültig. Die gelb-schwarze Gemeinschaft tat, was sie am besten kann: Sie stand einem ihrer Mitglieder bei.
Kovačs Reaktion war unmittelbar und von Herzen kommend. Nach dem Spiel lobte der Trainer Guirassy nicht nur für sein Tor, sondern für seine gesamte Leistung – das Pressing, das Ballhalten, die ständigen Probleme, die er der Atalanta-Abwehr bereitete. Es war die Anerkennung dafür, dass Guirassy selbst in seiner Trauer alles für das Trikot gegeben hatte.
Sportdirektor Sebastian Kehl schloss sich dem Chor der Unterstützer an und hob hervor, wie hart der Stürmer gearbeitet und angesichts der Widrigkeiten immenses Selbstvertrauen bewiesen hatte. Für Kehl war Guirassys Leistung ein Beweis für seinen Charakter – ein Spieler, der selbst in Zeiten persönlicher Tragödien „sehr schwer zu verteidigen“ bleibt.
Doch die Unterstützung reichte weit über die Vereinsführung hinaus. In den sozialen Medien stellten sich die Dortmunder Fans hinter ihre Nummer 9. Die Botschaft war einhellig: Wir stehen an deiner Seite, Serhou. Du bist nicht allein. Auf den Rängen des Signal Iduna Parks, in den Kneipen Dortmunds und in den Wohnzimmern der ganzen Welt zeigte die schwarz-gelbe Familie, was diesen Verein so besonders macht. Es geht nicht nur um Fußball. Es geht um Menschlichkeit.
Mehr als ein Stürmer: Der Mann hinter den Toren
Für alle, die Guirassy aufmerksam verfolgen, dürfte die Stärke, die er an jenem Februarabend zeigte, keine Überraschung sein. Der 29-jährige guineische Stürmer war schon immer mehr als nur ein Torjäger.
Im Sommer 2025, während viele seiner Teamkollegen ihre kurze Saisonpause genossen, reiste Guirassy zu einem humanitären Einsatz in seine Heimat. Dort gründete er „Africa Niorondema“, eine Wohltätigkeitsorganisation, die sich auf Bildungs-, Gesundheits- und Umweltprojekte für benachteiligte Jugendliche konzentriert. In Conakry, der Hauptstadt Guineas, ist Guirassy nicht nur ein Fußballstar – er ist ein Symbol der Hoffnung. Während seines Besuchs besichtigte er persönlich Schulen und verteilte Hilfsgüter an bedürftige Gemeinden.
Ein Moment dieser Reise berührte die Herzen der Menschen im französischsprachigen Afrika. Zeinab Diallo, ein Fan aus Mali, reiste über 1000 Kilometer nach Guinea, um den Stürmer zu treffen. Guirassy empfing sie herzlich, schenkte ihr seine Aufmerksamkeit und überreichte ihr ein signiertes Dortmund-Trikot. Für den jungen Fan ging damit ein Traum in Erfüllung. Für Guirassy war es einfach Teil seiner Identität.
Seine Verbundenheit zum Kontinent ist tief verwurzelt. Als Guineas WM-Qualifikationshoffnungen rechnerisch zunichtegemacht wurden, hielt Guirassy zu seiner Nationalmannschaft und reiste nach Guinea, um sich dem Kader anzuschließen.

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