„Entweder wir gewinnen, oder wir bekommen kein Geld“: Der irre Gehaltsverzicht von Thomas Stamm und Dynamo Dresden
Es ist das mutigste Versprechen in der Geschichte von Dynamo Dresden.
Als ich mich heute Morgen hinsetzte, um die übliche Vorschau auf das heutige Kracherspiel gegen Hertha BSC zu schreiben, klingelte mein Handy ununterbrochen. Zuerst dachte ich, es sei ein Scherz. Eine schlechte Photoshop-Montage. Aber jetzt ist es bestätigt: Thomas Stamm und die gesamte Mannschaft von Dynamo Dresden haben einem beispiellosen Gehaltsverzicht für den Rest der Saison 2025/26 zugestimmt.
Die Vereinbarung ist so einfach wie verrückt: Für jedes Spiel, das die Mannschaft bis zum Saisonende verliert, werden die Spieler und der Cheftrainer einen Teil ihres Gehalts einbehalten.
Keine Siege? Kein Gehalt.
Hier geht es nicht ums Sparen. Das ist eine Kriegserklärung gegen den Abstieg.
Ein blutiges Versprechen für die 31.000 Fans
Wir alle kennen die Lage. Die Tabelle lügt nicht. Am Vorabend des 28. Spieltags beträgt der Abstand zur Abstiegszone nur drei nervöse Punkte. Der 6:0-Kantersieg gegen Münster scheint nach dem Ausrutscher in Paderborn eine Ewigkeit her.
Heute Abend empfangen wir Hertha BSC. Es ist ein Flutlichtspiel. Die Ränge sind ausverkauft. Und wir spielen mit Trauerbinden für den verstorbenen Hansi Kreische. Die Emotionen werden hochkochen.
Doch Thomas Stamm, der oft von der Notwendigkeit von Ruhe und innerem Zusammenhalt gesprochen hat, hat alle Vorsicht fahren lassen. Laut meinen Quellen im Verein war die gestrige Sitzung explosiv. Stamm stand auf und sagte der Mannschaft, dass Worte nichts bedeuten, wenn die Fans mitansehen müssen, wie wir in die 3. Liga absteigen.
Kapitän Stefan Kutschke ist zwar für dieses Spiel gesperrt, aber sein Geist war in der Kabine.
„Wir müssen etwas zurückgeben“, sagte mir ein Spieler (der anonym bleiben wollte). „Die Fans füllen das Stadion Woche für Woche. Sie arbeiten hart für ihr Geld. Wenn wir nicht hart für unsere Punkte arbeiten, warum sollten wir dann das volle Gehalt kassieren?“
So funktioniert der „Stamm-Hammer“
Der Mechanismus ist brutal. Für jede Niederlage in den verbleibenden sieben Spielen (beginnend heute Abend gegen Hertha) wird ein fester Prozentsatz des Monatsgehalts der Mannschaft einbehalten. Dieser fließt direkt in einen Fonds für die Jugendakademie des Vereins – eine Erinnerung daran, dass die Zukunft zählt.
Auch Thomas Stamm, der analytische Schweizer, ist betroffen. Verliert er den taktischen Kampf, spürt er die Folgen ebenfalls im Portemonnaie.
Dies ist kein Verein in der Krise. Dies ist ein Verein, der seine Stärke gefunden hat.
Warum Hertha BSC sich fürchten sollte
Hertha reist als Favorit nach Dresden. Sie jagen die Tabellenspitze, stehen aktuell auf Platz sechs und haben uns Anfang der Saison in Berlin mit 2:0 abgefertigt. Toni Leistner kehrt in seine Heimatstadt zurück.
Aber mal ehrlich: Wie besiegt man einen Mann, der seine Hypothek aufs Spiel gesetzt hat?
Hertha spielt um Aufstiegsprämien. Dynamo spielt ums Überleben – und jetzt auch ums Existenzminimum.
Das verändert das Rudolf-Harbig-Stadion heute Abend. Wir wollen nicht einfach nur drei Punkte, um in der Tabelle aufzusteigen. Wir fordern sie, weil die Jungs ihre Familien für uns aufs Spiel gesetzt haben.
Thomas Stamm hat oft von der „langfristigen Stabilisierung des Vereins“ gesprochen. Diese radikale Geste sorgt für kurzfristigen Adrenalinrausch. Wenn ein Spieler weiß, dass ein ungenauer Pass zu einem Konter und dem Verlust des Gehalts führt, wird er diesen ungenauer Pass spielen? Nein.
Fazit
Ich blogge schon lange genug über Dynamo, um zu wissen, dass wir Symbole lieben. Wir lieben Kampfgeist. Wir lieben den Außenseiter.
Aber so etwas habe ich noch nie erlebt.
In 90 Minuten steht das wichtigste Spiel der Saison an. Grill und Kutschke fehlen zwar auf dem Spielberichtsbogen, aber das Rückgrat dieser Mannschaft – Keller, Pauli und der Rest – ist unerschütterlich.
Heute Abend um 20:30 Uhr jubeln wir nicht nur für einen Sieg. Wir jubeln für ihre Miete.
Dynamo gewinnt heute Abend, sonst gibt es nichts zu essen.
Wir sehen uns im K-Block. Wir müssen den Abstiegskampf gewinnen.
SGD!

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