WARUM DAS „OST-SPITZENSPIEL“ ZWISCHEN DYNAMO UND MAGDEBURG FÜR DIE POLIZEI EIN BESONDERER EINSATZ IST
Von Tina Hofmann
Dresden – Das Duell der beiden Elbestädter Vereine, Dynamo Dresden und 1. FC Magdeburg, das an diesem Sonntag (13:30 Uhr) im Rudolf-Harbig-Stadion stattfindet, wirft bereits seine Schatten voraus. Dieses „Ost-Spitzenspiel“ ist nicht nur ein sportlich bedeutendes Aufeinandertreffen, sondern stellt auch eine besondere Herausforderung für die Polizei dar. Nach gewalttätigen Vorfällen durch Magdeburger Fans beim Heimspiel gegen Dynamo (SGD) am 24. Januar – bei denen 70 Polizeibeamte verletzt wurden – ist die Polizei in erhöhter Alarmbereitschaft.
An diesem Sonntag treffen die beiden Vereine erstmals seit den Ereignissen im Januar wieder in der 2. Bundesliga aufeinander. Es werden 2.700 Fans aus Magdeburg erwartet, zudem ist der Heimbereich von Dynamo Dresden ausverkauft.
Die Partie wurde als „Hochrisikospiel“ eingestuft. Für die Sicherheit sorgen Einsatzkräfte aus Dresden, dem Freistaat Sachsen, der Bundespolizei sowie Unterstützungskräfte aus Magdeburg. „In unsere Vorbereitungen sind Erkenntnisse aus vorangegangenen Begegnungen, unter anderem aus dem Spiel in Magdeburg, eingeflossen“, erklärt Lukas Reumund, Sprecher der Polizeidirektion Dresden, auf Anfrage von TAG24.
Reumund weist darauf hin, dass die Lehren aus dem Spiel im Januar in das Training der Beamten integriert wurden und die „Einsatzkonzepte angepasst“ worden seien. Er ergänzt: „Wir sind gut vorbereitet.“
Am 24. Januar hatten etwa 50 bis 60 vermummte FCM-Anhänger im Stadionumlauf Polizeibeamte angegriffen, nachdem sie zuvor Überwachungskameras mit Farbe besprüht hatten. Die Polizei bildete daraufhin eine Verteidigungslinie, während sich gleichzeitig etwa 200 gewaltbereite Fans der Heimmannschaft dem Geschehen näherten.
In der aufgeheizten Atmosphäre bewarfen Randalierer Polizeibeamte mit Stadionsitzen und Pflastersteinen. Nach dem Spiel wurden zwei Tatverdächtige festgenommen. Gegen einen 29-Jährigen und einen 31-Jährigen wurden inzwischen Ermittlungsverfahren eingeleitet, unter anderem wegen versuchten Mordes. Bereits am Vorabend des Spiels hatte die Polizei in Schönebeck eingegriffen, um eine gewaltsame Auseinandersetzung zwischen 50 Fans aus Magdeburg und 90 Dynamo-Fans zu verhindern.
Die Veranstalter hoffen auf einen friedlichen Ablauf an diesem Sonntag. Unterstützt wird dies durch neue Sicherheitsmaßnahmen, die Dynamo Dresden für Hochrisikospiele eingeführt hat. Der Verein (SGD) hat diese Protokolle nach den Ausschreitungen bei seinem Heimspiel gegen Hertha BSC am 4. April umgesetzt. Konkret wurden für die Blöcke R5 und T1 keine Tickets verkauft; zudem wird über diesen Bereichen ein Sicherheitsnetz installiert, um zu verhindern, dass Personen auf das Spielfeld oder in den Innenraum des Stadions gelangen.
Darüber hinaus dienen die Blöcke A1 und A2 als Pufferzonen, die die Heimfans von den Gästefans trennen. Die Polizei wird an den Tunneleingängen zum Stadion präsent sein. Trotz der Einstufung als Hochrisikospiel bleibt der Zweitmarkt für Tickets geöffnet – auch für Nicht-Mitglieder.
Wichtiger Hinweis für Gästefans: Parkmöglichkeiten befinden sich am Kaufpark Nickern, nicht im Ostragehege.
Für Gästefans gibt es eine wesentliche Änderung, die alle aus Magdeburg anreisenden Anhänger beachten sollten: Parkplätze für die Anreise mit dem Pkw oder Kleinbus stehen nicht am gewohnten Ort (dem Bereich „Rinne“ im Ostragehege) zur Verfügung, sondern am Einkaufszentrum „Kaufpark Nickern“.
Die FCM-Fans werden gebeten, am Sonntag das untere Parkdeck an diesem Standort zu nutzen; die Anfahrt erfolgt über die Autobahn A17, Ausfahrt Dresden-Prohlis. Vom Parkplatz am Kaufpark aus stehen Shuttlebusse bereit, die die Fans zum Stadion bringen. Für organisierte Busgruppen ist der Treffpunkt die Raststätte „Dresdner Tor“ an der Autobahn A4; von dort aus werden sie durch die Polizei zum „Kaufpark“ eskortiert. Die Situation ist etwas heikel, da sich nur wenige hundert Meter entfernt die Park-and-Ride-Anlage „Dresden-Prohlis“ befindet – ein Ort, der üblicherweise von Dynamo-Fans genutzt wird, die von dort aus mit den Straßenbahnlinien 1, 4 oder 13 in Richtung Stadion weiterfahren.
Für die Anhänger aus Magdeburg wird zudem ein Entlastungszug eingesetzt; dieser soll um 08:22 Uhr am Magdeburger Hauptbahnhof abfahren und um 10:54 Uhr am Dresdner Hauptbahnhof eintreffen. Die Rückfahrt ist für 16:21 Uhr geplant. Für den Transfer zwischen Bahnhof und Stadion stehen zudem Shuttlebusse bereit.
Wie bei Hochrisikospielen üblich, hat die Stadt Dresden eine Allgemeinverfügung erlassen, die am Spieltag zwischen 10:30 Uhr und 17:30 Uhr gilt. Sie untersagt das Mitführen gefährlicher Gegenstände – etwa Pyrotechnik oder Messer – sowie das Tragen von Sturmhauben, Helmen oder Mundschutzen (einschließlich solcher, wie sie beim Boxen verwendet werden).
Eine erfreuliche Nachricht für Dynamo-Fans: Aufgrund laufender Gleisbauarbeiten zwischen Straßburger Platz und Pirnaischer Platz fahren die Straßenbahnlinien 1, 2 und 9 direkt bis zum Stadion (Haltestelle „Georg-Arnhold-Bad“).
